Witchville

Ich hätte ja nun auf den Hobbitzug aufspringen können, aber sein wir ehrlich, die Filme haben schon eine Reihe bekannterer Schreiberlinge erschöpfend durchgekaut.

Und da man sich ja irgendwie abheben muss, bespreche ich daher Witchville, dem der deutsche Verleih den selten blöden Titel Hexen – die letzte Schlacht der Templer verpasst hat.

Nun fangen wir an ehe es mir anders überlege:

Unsere Geschichte beginnt in einem Gasthaus in dem Prinz Malachi und sein gut 20 Jahre jüngerer Freund Jason Ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Saufen, frönen.

Das Gelage wird durch Jasons Bruder Eric gestört, der verkündet, dass die Lage ernst und der König beinahe tot ist. Daher wäre es wirklich praktisch wenn Malachi seinen Hintern in das Land Dragunof oder so ähnlich schieben würde, um seinem alten Herrn beizustehen.

Nach einigem Gezänk (Malachi und Jason wurden wohl als Kinder ins Exil geschickt) und etwas wie einem Schwertkampf lässt sich der Prinz jedoch breitschlagen mal zu Hause vorbeizuschauen.

Zu Hause besteht aus einer (computergenerierten) Wüste, einem Dorf mit ca. 20 Bewohnern und einem, für das Kaff vollkommen überdimensionierten, (und daher auch computergenerierten) Schloss. Nur um die Größenverhältnisse zu verdeutlichen, das Schloss hätte rein größenmäßig in jeden Monumentalfilm gepasst, während das Dorf aus fünf Hütten besteht.

Abgesehen davon erfahren wir, dass Dragunof wohl eine längere Dürre durchmacht und eine böse Macht dem Land den Wohlstand raubt (könnte natürlich auch an dem Riesenkasten von Schloss liegen…). Außerdem besteht die Mode der herrschenden Klasse anscheinend aus einer violetten Toga an die man einen riesigen Schulterpanzer mit einem Dämonenkopf drauf befestigt. Ja, das sieht so doof aus wie es klingt.

Sei es wie es ist, der König ist tot und Malachi wird ohne große Prozedere zu König ernannt. Und als solcher geht man ja auch mal jagen. Allerdings nicht weil Malachi mitbekommen hat, wie der Film weitergeht und sich daher wie weiland King Robert vors nächste Wildschwein schmeißen will, sondern um seine Untertanen zu ernähren. Die bedanken sich mit einem Raubüberfall und so sehen wir die nächste So-was-wie-Schwertkampfszene.

Im Schloss angekommen taucht ungebeten ein Zauberer und Hexenjäger namens Kramer auf. Zumindest behauptet er ein solcher zu sein, was jedoch von Eric und Jason als hanebüchener Unsinn abgetan wird, denn dies ist eine aufgeklärte Fantasywelt, da glaubt man nicht an Magie und Mundhygiene.

Nun jedenfalls behauptet Herr Kramer steif und fest, das Hexen Dragunof angreifen würden und beweist das in dem er auf dem Marktplatz roten Rauch verzaubert, der dann eine alte Frau anspringt und somit als Hexe enttarnt.

Das wird von Minute zu Minute blöder…

Für die Dörfler Grund genug die Alte auf den nächsten Scheiterhaufen zu verfrachten. Der König will dazwischen gehen, wird aber einfach beiseite geschubst, viel Autorität hat er ja nicht.

Nun wird’s langsam richtig blöde. Bisher gab es außer Kramers rotem Rauch keinen Grund anzunehmen, dass es eine Hexe im Dorf gibt. Daher brüllt das künftige Grillgut nun aus Leibeskräften eine Hexe zu sein und Rache für seinen Tod zu fordern. Dies wiederum bewegt ein in Rot gekleidetes Frauenzimmer und eine Horde von Leuten mit Schädelmasken dazu Blut vom Himmel regnen zu lassen.

Hatte der König bisher den (nachvollziehbaren) Standpunkt gehabt, dass Kramer kein Hexenjäger sondern einfach nur ein Psychopath ist, ist er jetzt vollkommen überzeugt und zieht los die Hexen zu suchen und zu besiegen.

Dafür benötigen die Helden ein Hexenbuch, das die Schwächen der Hexen beschreibt und das Kramer praktischerweise selbigen geklaut hat (AAAARGH!).

Zwischendurch tauscht die Anführerin der Hexen (mit Namen Jozefa) zwei Wachen gegen zwei Hexen aus, damit die den König in das titelgebende Witchville locken. Dort wollen Jozefa und Ihre Mutter, die Hexenkönigin, den Helden das Hexenbuch wieder abnehmen.

Womit keiner rechnet ist, dass der König zwischendrin ein paar Wegelagerer, die einen sehr fernöstlichen Einschlag und Bögen haben und folgerichtig Kung Fu Bogenschützen sind, als seine persönliche Leibgarde rekrutiert. Warum auch nicht, die Logik liegt eh am Boden, da kann man auch mal nachtreten.

Es kommt wie es kommen muss, die Falle schnappt zu, Eric stirbt, Jason wird gefangen und gezwungen sich mit Jozefa extrem blöde Dialoge zu liefern und Malachi und Kramer entkommen mitsamt Buch.

Das will sich die Hexenkönigin natürlich nicht bieten lassen und schleift Ihre Armee nach Dragunof, wo Malachi bereits mit den Vorbereitungen für die Verteidigung und damit seine eher demotivierten Bauerntrampel äh Bürger zur Mitarbeit zu bewegen beschäftigt ist.

Jason redet in der Zwischenzeit Blödsinn und dreht so langsam aber sicher Jozefa um. Warum auch immer die sich darauf einlassen sollte, sollen andere entscheiden.

Uns Königin marschiert also vor die Stadttore (bzw. das Dorfgatter) und schlägt einen Deal vor. Jason gegen Buch, Jason hat sie praktischerweise dabei. Dieses Ansinnen wird von Malachi selbstmurmelnd abgelehnt und so kommt es zu einer…Schlacht. Zumindest rennen Leute wild durch die Gegend und machen Unsinn.

Dabei sterben die Kung Fu Schützen (nicht, dass die noch für irgendwas gut sein könnten) und Malachi und Kramer werden gefangen genommen, aber dafür entkommt Jason mitsamt der übergelaufenen Jozefa.

War der Film bis hierher schon echt unlogisch, wird es nun langsam richtig gaga:

Die Hexenkönigin ist nämlich die Königin Dragunofs und somit Malachis und Jozefas Mutter, die mit Ihrer Tochter ins Exil musste, weil sie eine Hexe war. Dafür musste Malachi ins Exil, damit er lernt König zu werden und dem Zugriff seiner Mutter entzogen war. (wtf?). Aber nun können sie alle drei gemeinsam herrschen und glücklich sein (Wtf??). Malachi sieht das anders und wird daher gezwungen zuzusehen wie Kramer mit Blutegeln getötet wir (WFT???). Vorher verrät der Zauberer jedoch, dass sich Malachi und seine Schwester erst selbst tödlich verwunden und dann erst die Königin töten müssen (WTF?????).

Malachi wird von Jason und Jozefa befreit, setzt diesen absolut idiotischen Plan in die Tat um und ersticht die Hexenkönigin. Alle Hexen, außer Jozefa, sterben. (WTF?????????????).

Ein paar Tage später ehrt Malachi, der seinen Selbstmord überraschend gut überstanden hat, die Gefallenen, wird dabei aber von zwei Hexen die sich gegenseitig mit rotem Rauch ansprühen beobachtet.

FAZIT:

Um es mit dem großen Bill Murray zu sagen: „Oh mein Gott, war das schlecht!“

Eigentlich reicht das schon als Fazit, aber da ich mir nicht vorwerfen lassen will ohne Begründung zu verreißen, gehe ich ins Detail.

Die Story ist Grütze. Da werden bunt irgendwelche Plotteile durcheinander geworfen, riesige Logiklöcher gerissen und Figuren ohne Sinn und Verstand rein- und wieder rausgeschrieben (die asiatischen Schützen zum Bleistift).

Die Ausstattung ist auf einem eher schwankenden Niveau. Teilweise wirken die Kostüme gar nicht so übel (die beiden Oberhexen und der Magier haben recht ansehnliche Kostüme), teilweise sieht man nichts, was man nicht auch auf Mittelaltermärkten oder Larps zu sehen bekäme, teilweise ist es einfach nur bescheuert (die Toga/Schulterpanzerkombi die Malachi und Konsorten spazieren tragen).

Dafür sind die Kulissen, wie man erahnen kann, entweder schlecht oder unpassend. Die Stadt Dragunof wirkt wie ein versifftes Bauernkaff und keine Hauptstadt in Bedrängnis. Wie die dort lebenden Hinterwäldler diesen Riesenklotz von Schloss hingekriegt haben wollen, weiß wahrscheinlich nur der Kulissenbauer.

Apropos Schloss, da wird es dann richtig übel, weil man einfach sieht, dass es sich um einen Computereffekt handelt. Noch nichmal weil der Effekt so schlecht ist, sondern weil es sich überhaupt nicht in das restliche Gebilde einfügen will.

Die Darsteller stammen hauptsächlich aus dem Nebendarsteller- bzw. B-Moviebereich.

Hauptdarsteller Luke Goss (Malachi) durfte sich schon mal als Prinz Nuadaa in „Die goldene Armee“ mit Ron „Hellboy“ Perlman prügeln, Jasondarsteller Edward Speleers spielte den Eragon in der verunfallten Verfilmung des gleichnamigen Romans und ist mittlerweile im Cast von Downton Abby unterwegs. Das gleiche gilt für MyAnna Buring die die Jozefa gibt.

Sarah Douglas als rote Königin der Hexen ist hauptsächlich im Theater aktiv, dürfte älteren Semestern aber als Ursa aus den Christopher Reeve Superman Filmen und als Königin Tamaris aus Conan – Der Zerstörer ein Begriff sein.

Alle wirken eher gelangweilt und desinteressiert, was man bei den restlichen Produktionsumständen aber auch irgendwo nachvollziehen kann.

Auffällig sind hier lediglich Luke Goss, der sich extrem unwohl in seiner Rolle zu fühlen scheint und einen gewissen Unwillen bei dem Mist mitmachen zu müssen transportiert und Sarah Douglas, die hier eine 1 zu 1 Kopie der bösen Königin aus Conan gibt und wohl Spaß daran hatte die gute Tamaris noch mal aus der Mottenkiste zu holen.

Unterm Strich sollte man seine Zeit also lieber mit einem anderen Film verbringen.

28.12.14 00:05, kommentieren