9 Deaths of the Ninja

Heute mal aus der Rubrik „Ninjafilme aus den 80ern“.

Eine kurze Erklärung für Leute mit Geschmack oder die nach 2000 geboren wurden.

Ninjafilme waren eine in den 80ern bei B-Filmern beliebte Gattung des Action- bzw. Martial Arts Kinos. Meist handelte sich um billige Reißer in denen entweder ein Ninja für die Gerechtigkeit stritt oder Michael Dudikoff Horden von Ninjas verprügelte.

Ein anderer prominenter Vertreter dieses Genres ist der Kampfkünstler Sho Kosugi der bis auf eine Statistenrolle im zweiten „Paten“ eigentlich nur Ninjafilme in seinem Portfolio hat.

In unserem heutigen Vehikel spielt er den (was sonst) den japanischen Ninja Spike Shinobi (Ich denk mir das nicht aus), der zusammen mit den Amerikanern Steve Gordon und Jennifer Barnes, das „Dark Team“ bildet, angeblich das beste Antiterrorkommando der Welt.

Eine Trainingseinheit mit verkleideten US-Soldaten zeigt Ihren überlegenen Kampfstil.

Spike benutzt seine Ninjafertigkeiten um Granatenpfeile zu verschießen und ersticht Leute und Steve holzt mit einem Garantwerfer rum. (Ja, genau Training. Mit scharfen Waffen und Sprengstoff. In den eigenen Leuten.)

Cut in Vorspann. In dem Sho Kosugi Übungen mit seinem Schwert zeigt (Ninjafilm!), im Nebel (Ninjafilm!!) und mit drei Tänzerinnen in diesen Flashdance 80s Leggins (Ninjafilm?), dazu spielt extrem seichter und irgendwie unmelodischer 80s-Romance-Pop (Ninjafilm??). Es ist ein bisschen bizarr. Sehr vorsichtig ausgedrückt.

Cut nach Manila, wo die Bösen des Films „Albie the Cruel“ (gespielt von Blackie Demmet) und seine Helferin „Honey Hump“ einen Busladung von amerikanischen Touristen und einen amerikanischen Senator entführen.

Albie ist ein querschnittsgelähmter deutscher Neonazi (was sonst) und Drogendealer, der seinen Partner und anscheinend guten Freund Mohammed Raji durch diese Aktion aus dem Gefängnis befreien will. Honey Hump ist eine schwarze Frau die nicht nur einen monströsen Afro, sondern auch drei weibliche Leibwächterinnen und anscheindend auch -dienerinnen hat, die sie auch für gute Leistung an Albies restliche Crew verteilt. Habe ich erwähnt, dass diese aus Kung Fu Kämpfern, Söldnern von den Philippinen, amerikanischen Redneckjunkies und kleinwüchsigen Dealern besteht?

Halt die typische Truppe von Leuten mit denen sich ein rechtsradikaler Terrorist so umgibt.
Der amerikanische Botschafter, gespielt vom indischen Tennisspieler Vijay Amritraj (der so amerikanisch wirkt wie Albie deutsch), ruft sofort das „Dark Team“.

Die kommen nach etwas Exposition, die uns unsere Helden näher bringt und ihre komplexen Persönlichkeiten illustriert (Steve: Dauergeil, Jennifer: Blond, Spike: Ninja!) und uns in einer Rückblende erläutert wie Spike nach Amerika kam.
Kurz zusammengefasst, er weigerte sich in einem Kampf mit einem anderen Ninjaclan eine wehrlos wirkende Gegnerin zu töten, wodurch sein Meister erkannte, dass Spike einen anderen Weg außerhalb des Clans gehen muss.
Wir lernen außerdem, dass in Japan 1985 immer noch Ninjas wie im Frühmittelalter leben und vollkommen ungestört mit Katanas auf einander einhacken. (Ich denk mir das echt nicht aus).
Unsere Helden fliegen also auf die Philippinen und suchen Spuren.

Dazu besuchen Sie ein Museum, kämpfen zunächst mit den erwähnten kleinwüchsigen Drogendealern und lassen zu, dass der einzige Helfer Albies, der sie zu dem Irren führen kann, aus zwei Metern Höhe in den Tod springt. (Wie er das auch immer hinbekommt).

Tja, die Zeit drängt, das Ultimatum läuft ab, Albie tötet die Geiseln, wenn nichts passiert. Daher ist logisch, dass Jennifer den Jet Lag wegschläft, Steve die Sekretärin der Botschafters anbaggert und Ninja Spike Shinobi als alter Mann verkleidet durchs Hotel schleicht und dabei in einen Kampf mit Albies Agenten in Manila, einem Glatzkopf der sich offensichtlich beamen kann, gerät.

In der Zwischenzeit lernen wir zwei weitere Protagonisten kennen. Zwei japanische Jungen (gespielt Sho Kosugis Söhne Shane und Kane), die im entführten Bus sitzen und von denen Kane immer dann aktiv werden wird, wenn die Plotte kurz davor steht endgültig im Nirvana zu landen.

Außerdem fehlt uns in unserem überhaupt nicht sinnlos zusammengewürfelten Drogenkartell doch noch eine Figur? Welchen charismatischen Bösewicht braucht auch ein 80er B-Film?

Genau, den blöde kichernden Vergewaltiger im Netzhemd.

Unser heutiger Evolutionsverweigerer heißt Dr. Wolf (Dr. ja sicher) und will die Reiseleiterin des entführten Busses anfallen, aber Kane kann ihm gerade noch rechtzeitig die Unterhose mit Feuerzeugbenzin anzünden.

Nach weiteren ähnlich heiteren und überhaupt nicht verstörenden Dschungelszenen in denen Wolf und sein Bruder/Cousin einem kleinen Mädchen die Herztabletten klauen um sich damit aufzuputschen, was Kane natürlich verhindern muss, wird Raji dann doch freigelassen, damit er die Helden zu den Geiseln führt.

Die Verfolgung führt durch Manila, ein Bordell, in dem mit „sanitised, sterilised and lobotomised “ Prostituierten geworben wird (letztes zum Glück nicht) und einen Hubschrauber aus dem Raji geworfen wird.

Durch Befragung eines Barkeepers in Albies Lieblingspuff, schaffen es Spike und Steve jedoch in Albie Höhlenversteck, das von weiteren Ninjas und Raji bewacht wird. Das Raji bei dem Hubschraubersturz weder starb noch wieder festgenommen wurde verwundert etwas. Das Albie sich vor Freude an ihm reibt und dabei „You Hunk! You Hunk!“ (also so etwas wie „Du Mannsbild“) verstört etwas.

Spike kann die Geiseln retten und Raji ausschalten. Honey Hump und Albie entkommen, können in der Schlussszene jedoch durch eine nicht zu verstehende Falle gestoppt werden. Dabei werden Honey Hump und ihre schwerbewaffneten Wächterinnen tatsächlich mit einem Netz fast gewaltfrei überwältigt, während sich Spike genötigt sieht den fliehenden und unbewaffneten Albie mit einem Trickpfeil aus seinem Rollstuhl zu werfen, damit ihn Pferde eines Poloteams tottrampeln können.

Am Ende kriegt Steve (der im Film mit halb Manila Verkehr hatte) Jennifer ins Bett und Spike verteilt Lutscher an Kane und Shane (also an für ihn im Film vollkommen fremde Kinder).

Fazit:

Klar lässt sich ein Ninjafilm schlecht mit einer A-Produktion vergleichen, aber selbst für Ninjafilmverhältnisse ist der vollkommen unpassend betitelte 9 Deaths of the Ninja (oder lt. Deutschem Verleih „Die neun Leben des Ninja“) ein merkwürdiges Biest.

Das fängt schon damit an, dass die Hauptfigur Spike Shinobi heißt, was nichts anderes als Spike Ninja bedeutet. Dann kommt die restliche Heldentruppe, die aus einer stereotypen Blondine und einem vollkommen nutzlosen Sexbesessenen besteht, die beide hauptsächlich dazu da sind dem heldenhaften Ninja im Weg rumzustehen.

Sho Kosugi gibt den Helden relativ gradlinig aber auch nicht wirklich gut. Seine Helfer sind merkwürdig passiv und das sowohl vom Drehbuch und der Darstellung her.

Das ihre Gegenspieler alles Abziehbilder sind, deren Darsteller einfach wild irgendwie loslegen, hilft nicht wirklich.

Blackie Demmet ist vor allem als Vater von Red Hot Chilly Pepper – Frontmann Anthony Kedis und weniger wegen seines Schauspiels bekannt geworden. Da Mr. Demmet einen deutschen Akzent für gestottertes Englisch hält und wirkt als würde er ständig den Text vergessen ist das irgendwie nachvollziehbar.

Das seine Mitstreiter teilweise beeindruckend wenig Schauspielerfahrung zu haben scheinen (lediglich Raji-Darsteller Sonny Earang kommt auf mehr als 3 Filme), merkt man.

Die Kinderdarsteller machen ihre Sache gut, aber ich hätte nicht zwingend einen Elfjährigen für Kampfszenen mit Erwachsenen gecastet.

Die Martial Arts Action ist größtenteils gut, wenn auch sehr willkürlich über den Film verteilt. Die Schußwechsel sind dämlich, aber auch nicht komplette Ausfälle.

Das Drehbuch scheint nach fünf Minuten aus dem Fenster geflogen zu sein, jedenfalls macht der Plot keinen Sinn.

Unterm Strich ist der Film auf eine bizarre Weise interessant und vor allem etwas für Trash Fans denen Phantom Commando zu realistisch ist.

8.11.18 23:42

Letzte Einträge: Warhammer Fantasy Rollenspiel 3. Edition, Legend of the five Rings

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen