The Trade

Indy-Wrestling ist in Deutschland nicht unbedingt ein Massenphänomen und seine Akteure sind hierzulande nur beinharten Wrestlingfans ein Begriff.

Daher ist es auch keine Schande wenn einem Sick Nick Mondo nicht zwingend ein Begriff ist. Hinter diesem Namen verbirgt sich der heutige Indipendentfilmer Matthew Burns, der von 1999 bis 2003 einer der großen Namen der Indyliga CZW und dort für extrem gefährliche und brutale „Deathmatches“ bekannt war. Unter anderem hat er die zweifelhafte Ehre der erste Wrestler zu sein, dem ein eingeschalteter Rasentrimmer in den Bauch gerammt wurde.

Matthew Burns hat seine Geschichte um die Entstehung von Sick Nick und die Entscheidung aus dem Wrestlingbusiness auszuscheiden in einen Dokumentarfilm gegossen, den man nun auf einer bekannten Videoplattform bewundern kann.

Dabei springt der Film zwischen Interviewausschnitten, Privatvideos, Auschnitten von CZW-Matches und Arthouseszenen in denen Matthew Burns über sein Seelenleben spricht hin und her.

Das ist eine wilde Mischung, die relativ viel darüber erzählt, was zu bestimmten Zeitpunkten in Matthew Burns vorgeht, aber es vermeidet, diese Schilderungen in einen Kontext zu setzen.

Der Film folgt zwar chronologisch den realen Geschehnissen, wenn man aber nicht die groben Vorgänge der CZW aus dieser Zeit kennt, hat man oft große Schwierigkeiten nachzuvollziehen, welche Bedeutung bestimmte Ereignisse haben sollen.

Gerade die Arthouseszenen verwirren teilweise mehr als dass sie helfen, da schlicht der Kontext fehlt. So wird die Motivation ausgerechnet Deathmatches zu bestreiten, mit einem wagen Verweis auf Schuldgefühle und einer Predigt über die Leiden Jesu Christi begründet, aber weshalb man sich deswegen mit Gartengeräten misshandeln lässt, lässt sich daraus nicht erschließen.

Viel authentischer und greifbarer sind die Interviews und Videoausschnitte, die sehr nach vollziehbar zeigen, welche Faszination Wrestling an sich und dort eine Variante, bei der Verletzungen garantiert entstehen werden, auf ihn hatte und das ein Ausstieg ehe der Unterschied zwischen Matt Burns und Sick Nick (der immer wieder als eine Art Dämon auftaucht) zu gering wird, die beste Alternative war.

Allerdings neigt Matthew Burns etwas dazu sich selbst zu beweihräuchern und eigentlich banale Tätigkeiten auf eine quasimystische Ebene zu zerren (so wird z.B. ein einmaliger Promoauftritt für die CZW als „Breaking the Vow“ hochstilisiert).

Optisch ist der Film gut. Die Filmszenen sind ordentlich in Szene gesetzt, wenn auch immer sehr bedeutungsschwanger. Die Interviews sind ohne große Schnörkel gedreht, das muss aber auch nicht sein. Die Originalvideos können da logischerweise nicht mithalten, helfen aber zusammen mit den Interviews den Film daran zu hindern endgültig abzuheben.

Es sei allerdings gesagt, dass die CZW – Videos sehr brutal sind und stark auf den Schock ausgerichtet sind. Die Wrestler schlagen sich in den dort gezeigten Stunts halbtot und sind teilweise derart mit Blut beschmiert, dass es wie ein Hemd wirkt. Das ist, da die Folge aller möglicher Schnitt- und Risswunden und damit also echt, nur schwer zu ertragen.

The Trade ist sicher nicht für jedermann, sondern dürfte eher den Wrestlingfan ansprechen. Man darf aber hier keine Doku über die Karriere Sick Nicks erwarten, sondern muss sich im klaren sein, dass Matthew Burns lediglich, aber nicht uninteressant, erzählt, wie es ihm geht, wenn er sich mit dieser Zeit auseinandersetzt.

24.11.18 21:23

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